Aufbruch und TransformationWeitergehende Infos aus dem Newsletter vom Februar 2026

Umbau im Bestand"Wir haben fertig"

von Norbert Jansen

Nach fast fünf Jahren Planungszeit und einer neunmonatigen Baustelle freuen wir uns über die „Neubesiedlung“ von Räumen im KönzgenHaus.

Erweiterungsnotwendigkeiten bei der DiAG bewegten uns zu einer Neujustierung und Bestätigung der Zusammenarbeit: KAB Berufsverband – DiAG - KönzgenHaus bilden ein starkes Kooperationsdreieck im Bistum Münster und es lohnt, viel Mühe und Geld in Sanierung und Ausbau des Hauses zu stecken.

Investitionsentscheidungen sind immer Zukunftsentscheidungen. Und so danken wir den Gesellschaftern des Hauses (KAB / CAJ) und dem Bistum Münster, uns bei den Wegen in die Zukunft zu begleiten.

Nachdem ein Anbau aus Kostengründen verworfen wurde, standen wir vor der Herausforderung, mehr Raum zu schaffen im Rahmen der vorhandenen Substanz. Dies war möglich durch Verzicht auf unsere Kegelbahn und diverse Einzelbüros für Pädagog*innen, die durch eine „Workzone“ ersetzt wurden. 

Selfie von zwei Personen in einer modernen Büroumgebung

Das bisher große Geschäftsführungsbüro wurde verlegt und geschrumpft. Es macht nun Platz für Buchführung und Rechnungswesen. Auch die Verlegung der alten Bierstube war notwendig, was sich am Ende mehr als Segen denn als Fluch herausstellte: In Nachbarschaft des Kindergartens, mit direktem Zugang zum Außengelände, haben wir nun eine schicke „denkBAR“, die in den ersten Wochen des Jahres schon viel Anklang bei unseren Gästen fand. 

Bunt beleuchtete Bar

Ein Umbau im Bestand ist immer eine Herausforderung für alle Beteiligten, zumal der normale Hausbetrieb weiterging. Enorme Koordinationsanstrengungen und viel Geduld miteinander waren notwendig. Vor ungeahnten Schadstoffuntersuchungen, Baukostenexplosion bis hin zu Brandschutzmaßnahmen und zeitweise großem Baulärm wurden wir nicht verschont.

An dieser Stelle auch ein ausdrücklicher und großer Dank an alle Teilnehmer*innen und Gäste, die diese Belastungen gemeinsam mit uns geschultert haben. Im Zuge des Umbaus wurden an vielen Stellen durch energetische Maßnahmen, technische Ertüchtigungen und ökologisch wie ökonomisch sinnvolle Maßnahmen die Gesamtbilanz des Hauses verbessert. 

Bauarbeiten mit Gerüst außen am KönzgenHaus

Ein umfangreiches Brandschutzkonzept liegt nun für das gesamte Gebäude vor – ein Quantensprung für die Bestandssicherung und Zukunft. Weitere noch ausstehende Maßnahmen werden wir in absehbarer Zeit mutig und zuversichtlich in Angriff nehmen.

(Um)Bauen ist ein immerwährender dynamischer Prozess – das können wir nun aus Erfahrung bestätigen. Den zahllosen Gewerken, Firmen, Bauleuten, Planern und Mitarbeiter*innen des KönzgenHauses sei nochmal ausdrücklich gedankt!

„Wir haben fertig“ – und die nächsten Veränderungsschritte und Aufbrüche warten auf uns!

Herzlich willkommen in unserem bewegten, teilerneuerten Haus!


Online Krankschreibung: Sind wir Jammerlappen?Keine Jammerlappen. Sondern Menschen.

von Annette Seier

Produktivität braucht gesunde Arbeit. Statt Kontrolle und Verdacht braucht es bessere Arbeitsbedingungen und Mitbestimmung. Krankheit ist kein individuelles Versagen, sondern Ausdruck menschlicher Verletzlichkeit und sozialer Verantwortung. 

Eine sozialpolitische Einordnung. 

Die aktuelle Diskussion über steigende Kranktage und die mögliche Abschaffung der telefonischen Krankschreibung setzt ein problematisches Signal: Arbeitnehmer*innen geraten unter Generalverdacht. Verstärkt wird dieser Eindruck durch jüngste Forderungen aus dem CDU-Wirtschaftsrat, Beschäftigte sollten etwa Zahnarztbesuche künftig selbst bezahlen oder Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung stärker eingeschränkt werden. Krankheit erscheint so nicht mehr als gesellschaftliches Risiko, sondern als individuelles Kostenproblem. 

Eine Politik, die Fehlzeiten primär als Produktivitätsproblem betrachtet, verschiebt Verantwortung einseitig auf die Beschäftigten – und blendet strukturelle Ursachen aus. Kritik daran kommt nicht nur aus Gewerkschaften, sondern auch aus Sozialverbänden und der Wissenschaft: Wer den Sozialstaat in dieser Weise unter Sparvorbehalt stellt, riskiert soziale Spaltung und verschärft gesundheitliche Ungleichheit. 

So droht der Anspruch unseres Gemeinwesens aus dem Blick zu geraten, die Würde aller Menschen zu schützen. Denn das Grundgesetz verpflichtet den Staat, Leben und körperliche Unversehrtheit zu schützen (Art. 2 GG) und den Sozialstaat aktiv zu gestalten (Art. 20 GG). Diese Leitlinien verbinden sich mit dem christlichen Menschenbild: Der Mensch ist nicht Mittel zum Zweck wirtschaftlicher Leistung, sondern Person mit unveräußerlichem Wert. Arbeit soll dem Menschen dienen – nicht umgekehrt. 

Arbeitsbedingungen entscheiden über Gesundheit 

Wer ehrlich über Krankenstände sprechen will, muss über Arbeitsrealitäten sprechen: über Arbeitsverdichtung, Personalmangel, Schichtarbeit, psychische Belastungen und mangelnde Vereinbarkeit von Arbeit und Verantwortung für Familie. Nicht Bequemlichkeit macht krank, sondern struktureller Druck. Gerade in Pflege, Bildung, Industrie und Dienstleistung zeigt sich: Hohe Fehlzeiten sind oft ein Symptom schlechter Rahmenbedingungen. 

Zugleich nimmt der Präsentismus zu: Viele gehen krank zur Arbeit – aus Pflichtgefühl oder aus Angst vor Nachteilen. Das gefährdet die eigene Gesundheit, belastet Kolleg*innen und schwächt langfristig Betriebe. Vorschläge, die finanzielle Eigenbeteiligung bei Krankheit auszuweiten, würden diesen Trend weiter verschärfen: Wer sich Arztbesuche kaum leisten kann, geht später – oder gar nicht. 

Prävention braucht Mitbestimmung 

Produktivität entsteht nicht durch Misstrauen, sondern durch gute Arbeit. Betriebliches Gesundheitsmanagement ist kein freiwilliges Zusatzangebot, sondern Ausdruck unternehmerischer Verantwortung. Gute Arbeitsorganisation, realistische Personalplanung, Angebote der Gesundheitsförderung und verlässliche Arbeitszeiten sind – nur um einige Beispiele zu nennen – Investitionen in die Zukunftsfähigkeit. 

Hier kommt den Interessenvertretungen eine zentrale Rolle zu: Betriebsräte, Personalräte und Mitarbeitervertretungen können in ihren Betrieben und Einrichtungen dazu beitragen, dass Gesundheit nicht dem kurzfristigen Effizienzdenken untergeordnet wird. Mitbestimmung ist kein Hemmnis wirtschaftlicher Entwicklung, sondern ein Schutzmechanismus für menschwürdige Arbeit – und damit ein Beitrag zu nachhaltiger Leistungsfähigkeit. 

Solidarität statt Verdacht 

Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist Ausdruck gesellschaftlicher Solidarität. Sie verhindert, dass Krankheit in Existenzangst umschlägt, und schützt Betriebe z. B. vor der Ausbreitung von Infektionen. Wer dieses Prinzip infrage stellt, rüttelt an einem Grundpfeiler des Sozialstaats. 

Die scharfen Reaktionen auf die Vorschläge des CDU-Wirtschaftsrats zeigen: Viele Menschen spüren, dass hier eine gefährliche Grenzverschiebung stattfindet – weg von gemeinsamer Absicherung, hin zu individueller Schuldzuweisung. Ein solcher Kurs gefährdet nicht nur die Gesundheit der Beschäftigten, sondern auch das Vertrauen in politische Verantwortung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. 

Arbeitnehmer*innen sind keine Jammerlappen. Sie tragen Verantwortung – für ihre Arbeit, für ihre Kolleg*innen und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Eine Politik, die ihnen misstraut, schwächt nicht nur sie, sondern auch die Grundlagen unserer solidarischen Ordnung. 

Damit Gerechtigkeit wächst, braucht es Arbeit, die nicht krank macht, und einen Umgang mit Arbeitnehmer*innen, der ihre gesamtgesellschaftliche Leistung und Würde achtet. 


Die Lifestyle-TeilzeitEin Mythos auf dem Rücken von Millionen Beschäftigten

Frau schaut auf Smartwatch. Auf dem Spielteppich spielt ein Kind.

von Ruth Hochgürtel und Michael Ossege

Die Debatte ist bekannt: Wiederholt kommt ein Vorschlag aus Union, diesmal aus dem Wirtschaftsflügel, der fordert das Recht auf Teilzeit einzuschränken. Im Argumentieren fällt dann regelmäßig ein Wort, das viele (und auch uns) auf die Palme bringt: „Lifestyle-Teilzeit". Als würden sich Millionen Menschen – überwiegend Frauen – aus reiner Laune heraus für weniger Einkommen und weniger Absicherung entscheiden.

Diese Darstellung ist nicht nur ungerecht, sondern arbeitet mit einer bewussten Verzerrung der Realität. Denn die unbequeme Wahrheit hinter den Teilzeitquoten zeigen die Zahlen doch eindeutig: Über 80 Prozent der Teilzeitbeschäftigten sind Frauen. Doch warum arbeiten sie in Teilzeit? Nicht aus „Lifestyle"-Gründen, sondern weil sie müssen:

Care-Arbeit ist weiblich und unbezahlt

Kinderbetreuung, Pflege von kranken oder alten Angehörigen oder der eigene Haushalt – diese Arbeiten bleiben in Deutschland ungleich zwischen den Geschlechtern verteilt. Während viele Frauen ihre berufliche Perspektive reduzieren, um Familie und Pflege zu stemmen, funktioniert das System für ihre Kollegen anders. Der Mangel an flächendeckenden, verlässlichen Betreuungsangeboten macht Teilzeit für viele nicht zur Wahl, sondern zur Notwendigkeit. 

Die Jobstruktur in klassischen „Frauenberufen" ist prekär

In Pflege, Sozialarbeit, Pädagogik und im Einzelhandel gibt es deutlich mehr Teilzeitstellen als Vollzeitpositionen. Das ist keine Folge von individuellen Entscheidungen – das ist eine bewusste Arbeitgeberpraxis. Viele Betriebe bevorzugen „mehr Köpfe statt mehr Zeit": Sie stellen lieber mehrere Teilzeitkräfte an, um Flexibilität zu gewinnen, ohne volle Sozialleistungen zahlen zu müssen. Das ist rationell für die Betriebe, prekär für die Beschäftigten. 

Gesundheit hat einen Preis

Fachkräfte in belastenden Berufen reduzieren ihre Arbeitszeit, um ihre Gesundheit zu erhalten. Das ist kein Luxus – das ist Selbstschutz angesichts fehlender Prävention und ausgebrannter Teams.

Das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) garantiert seit über 20 Jahren das Recht auf Teilzeitarbeit – ein Schutzrecht, nicht nur eine Option. Mit der Brückenteilzeit wurde dieses Konzept erweitert: Beschäftigte können ihre
Arbeitszeit befristet reduzieren und sollen die Rückkehr zu mehr Zeit erleichtern. Das war ein bewusstes politisches Leitbild: Arbeitszeit als Gestaltungsrecht, nicht als Pflicht.

Die aktuelle Debatte deutet darauf hin, dass sich grundlegende Ansätze ändern. Ein weg von der Förderung flexibler Modelle, hin zu erhöhtem Druckauf längere Arbeitszeiten. Das wäre ein Rückschritt, der besonders Frauen, ältere Arbeitnehmerinnen und Menschen in Gesundheitsberufen trifft.

Wir sollten uns die Frage stellen, wohin das Ganze führt?

Wenn es um Fachkräftesicherung geht, gibt es intelligentere Wege als die Teilzeitquote zu senken.

Echte Vereinbarkeit ermöglichen: Verlässliche, bezahlbare Kinderbetreuung, flexible Vollzeitmodelle mit echten zeitlichen Gestaltungsmöglichkeiten oder Home-Office-Optionen – das würde Menschen entlasten, nicht belasten. 
Arbeitsbedingungen verbessern: Wer Fachkräfte halten möchte, muss Arbeitsverdichtung abbauen, nicht Arbeitszeiten erhöhen. Gerade in Pflege, Sozialarbeit und Pädagogik. 
Geschlechtergerechtigkeit ernst nehmen: Solange die Vereinbarkeit von Beruf und Familie vor allem von Frauen durch Teilzeit gelöst wird, während Männer Vollzeit arbeiten, ist die Lösung strukturell falsch. 
Betriebliche Mitbestimmung respektieren: Arbeitszeit ist ein zentrales Gestaltungsfeld für betriebliche Interessenvertretungen: Politische Einschränkungen untergraben echte Partizipation. 

Die MAV kann diesen Umbau mitgestalten! 

Der Vorschlag, Teilzeitrechte einzuschränken, ist ein Angriff auf Lebensqualität, Selbstbestimmung und Geschlechtergerechtigkeit. Es ist Aufgabe der MAV – als Vertreter*innen der Beschäftigten – diese Rechte zu verteidigen. Nicht weil „Lifestyle" auf dem Spiel steht, sondern weil echte Entscheidungsfreiheit und Würde im Arbeitsleben darauf ankommen. 

Die Debatte muss lauten: Wie schaffen wir Bedingungen, unter denen Menschen selbstbestimmt entscheiden können, wie viel Zeit sie arbeiten möchten – ohne wirtschaftliche Strafe, ohne Gesundheitsrisiko? 

Das ist Augenhöhe. Das ist echte Mitbestimmung. 


KönzgenHaus und KircheGedanken zum Um-, Rück- und Neubauen

Kreuz hängt an einer weißen Wand vor einer beklebten Pinnwand

von Clemens-August Holtermann, Rektor der Hl. Geist Kapelle im KönzgenHaus

Seit 36 Jahren bin ich auf verschiedene Weise dem KönzgenHaus verbunden und seit meiner Taufe Mitglied der Katholischen Kirche, in der ich seit fast 60 Jahren hauptamtlich tätig bin. Da habe ich einige Bautätigkeiten mitbekommen und auch einige mitgestaltet. Dabei denke ich an Gebäude aber auch und vor allem an Gemeinden, Vereine und Verbände in ihrer Vielfalt. 

Alles Bauen im KönzgenHaus diente und dient dem Ziel, einen Raum der Begegnung und des Austausches zwischen unterschiedlichen Menschen und Meinungen zu sein. Sie sollen befähigt und ermutigt werden, Schritte zu mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft und besonders in der Arbeitswelt zu suchen. Dabei sollen sie einander Mut machen, das vor Ort umzusetzen. Ein Raum wurde seit Bestehen nie sonderlich umgebaut: Die Kapelle. Sie ist heller, klarer geworden. Sie ist ein Ort, wohin man sich allein zur Besinnung oder zum Gebet zurückziehen kann oder eben auch in Gemeinschaft zum Ausdruck bringt, aus welchem Geist Christ*innen handeln: „In Verantwortung vor Gott und den Menschen!“ Das dunkle Kreuz im hellen Lichtschacht, der Stuhlkreis mit dem Altartisch, die Bibel und das „Ewige Licht“ sind Ausdruck dafür. 

Die Kapelle ist aber auch Ausdruck dafür, dass wir zu einer großen Gemeinschaft, letztlich der Gott-Gläubigen oder -Suchenden, gehören, die als Christ*innen zu einer Kirche gehören. Und da sind wir beim zweiten Bereich von Um-, Rück- und Neubauten, nämlich von Kirchengebäuden und Kirchenstrukturen (vgl. auch die Baustile von Kirchen in den Jahrhunderten und dass Kirchengebäude auch zwischendurch als Pferdeställe genutzt wurden). Den letzten großen Impuls zu Umbauten in der Katholischen Kirche gab das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65): Kirche als „wanderndes Volk Gottes“ und gegründet auf Jesus Christus als Mitte. So entstanden Kirchengebäude mit dem Altar in der Mitte und offen nach außen und mit Begegnungsräumen integriert oder daneben. 

Die 70er und 80er Jahre brachten viele Aufbrüche in den Gemeinden, die Kirche wurde politischer, oft „links“ auf Seiten der Schwachen, gerade auch in Lateinamerika. Es war eine spannende Zeit! Aber dann wurden die Ängstlichen, die Konservativen immer stärker und auch die Stimme derer, die immer mehr Rechte beanspruchten - oder immer mehr Wohlstand, oft ohne die Bereitschaft zur Verantwortung. Das ließ manche positiven Ansätze verstummen. Da stört ein Gott aller, vor dem wir verantwortlich sind! Da, und natürlich auch im Machtmissbrauch in den Kirchen liegt ein Grund für die rapide sinkende Zahl der überzeugten Christ*innen. 

Wie damit umgehen? 

Nur über kirchliche Gebäude und Strukturen reden, hilft nicht weiter. Wir müssen Gott und sein Evangelium wieder zur Sprache bringen! Als frohe, ja ermutigende Botschaft! 

Wir, die wenigen Christ*innen, müssen Verbündete suchen, um uns gegenseitig im Glauben zu stärken, z. B. in kleinen Gruppen, Prinzip „Sauerteig“!, zum Beten, Bibelgespräch u. a.. Wie wär's mit der alten CAJ-Methode: „Sehen - urteilen – handeln“?

Gott traut uns viel zu! Machen wir es ihm nach!


Kirchlicher Umbau: Freiraum für VerantwortungWenn Rückbau zu Gestaltungschance wird

Ansprechpartner: Christoph Holbein-Munske

Die Zahlen sind eindeutig: Weniger Mitglieder, sinkende Kirchensteuern, leere Pfarrheime. Das Bistum Münster hat reagiert und eine umfassende Immobilienstrategie auf den Weg gebracht. Alle Pfarreien müssen ihren Gebäudebestand erfassen, bewerten und ein Konzept entwickeln – abgestimmt auf die 45 Pastoralen Räume. Die Botschaft ist klar: Es wird weniger. Deutlich weniger.

Doch was zunächst wie ein schmerzlicher Verlust klingt, birgt eine unterschätzte Chance: Freiraum. Nicht mehr alle Immobilien werden für ihre ursprünglichen Zwecke gebraucht. Kirchen werden zu Kulturräumen, Pfarrheime zu Begegnungszentren, leerstehende Gebäude zu... ja, zu was eigentlich?

Genau hier beginnt die entscheidende Frage: Wer bestimmt, was aus diesen Räumen wird? Der Markt? Der Höchstbietende? Oder die Verantwortung für das Gemeinwohl?

Zwischen Finanzdruck und Gestaltungswillen

Angesichts knapper Kassen versuchen Bistümer vielerorts bereits, aus ihrem umfangreichen Immobilienbesitz Kapital zu schlagen. Doch Immobilien sind mehr als Vermögenswerte – sie prägen Dörfer und Städte, sie gestalten unser Zusammenleben. Es macht einen Unterschied, ob auf kirchlichem Grund bezahlbarer Wohnraum entsteht oder Luxusapartments. Als bedeutende Immobilieneigentümerin trägt die Kirche besondere Verantwortung. Ihr sozialethisches Erbe verpflichtet sie, Eigentum als gesellschaftliche Aufgabe zu begreifen – gerade in Zeiten, in denen explodierende Miet- und Immobilienpreise und verödende Ortskerne vielerorts zur sozialen Frage geworden sind. 

Guter Grund zum Handeln

Am 19. und 20. Februar 2026 laden wir zur Tagung „Guter Grund zum Handeln? Kirchliches Boden- und Immobilieneigentum in gesellschaftlicher Verantwortung" ins KönzgenHaus ein. Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis diskutieren konkrete Wege: Wie kann bezahlbarer Wohnraum auf kirchlichem Boden entstehen? Wie lassen sich ökonomische Zwänge und Gemeinwohlorientierung balancieren? Welche Rolle können Kirchen bei der Belebung von Landgemeinden und der Entwicklung lebendiger Stadtquartiere spielen?

Der Umbau der Kirche schafft Freiraum. Nutzen wir ihn verantwortlich.


Fotos: KönzgenHaus, Maik Meid, teilweise künstlich generiert